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April 2009

Liebe Freunde,

es ist mal wieder soweit, habe kein Internet mehr. Diesmal hat es nicht das Modem, sondern leider den ganzen Computer zerlegt, so dass ich jetzt schauen muss, wie ich es in naechster Zeit mit Anrufen, Emails, etc. hinkriege.

Gut, haette man ja nicht ahnen koennen, dass man bei Gewitter den PC ausmachen sollte, speziell in einem Land wo die Stromspannung schon bei normalem Wetter extrem schwankt, da muss wohl ab jetzt wieder das Internetcafe besucht werden. Sonst geht es mir aber gut, ich hatte jetzt 10 Tage Ferien und werde demnaechst mal wieder etwas ausfuehrlicher ueber mein Leben hier berichten.

Beste Gruesse aus Ecuador, euer Jakob

Maerz 2009

Liebe Freunde,

nach knappen zwei Monaten Abstinenz im Blog wollte ich euch mal wieder über den neuesten Stand in Ecuador informieren. Wirklich große Neuigkeiten gibt es nicht. Ich habe mir gestern die Weißheitszähne ziehen lassen und bin dementsprechend heute zu Hause, aber frohen Mutes, morgen wieder raus zu können. Die ganze Geschichte dauerte gestern etwa zwanzig Minuten mit örtlicher Betäubung und nun bin ich um vier Zähne ärmer.

Da mein letzter Eintrag vor meinem Geburtstag lag, möchte ich kurz schildern, wie ich meinen Zwanzigsten verbracht habe. Tagsüber ging es wie immer arbeiten, danach ins Fitnessstudio und abends kam meine erweiterte Gastfamilie, wir haben gut gegessen, jeder durfte eine kleine Tischrede halten und als Absacker gab es lecker Whisky.

Die wirkliche Party fand ein paar Tage später statt, als meine Zivikollegen und ich mal wieder in Quitos Partyzone auf Tour waren. Wirklich tolle neue Clubs haben wir dabei leider nicht entdeckt, irgendwie scheint es sich hier doch alles eher auf Salsa, Reggueton und Co. zu beschränken, Spaß hat es aber trotzdem gemacht.

Am Wochenende des 22. Februar war auch hier Karneval mit anschließendem Aschermittwoch. Das heißt hier jedoch nicht unbedingt Fasching, sprich verkleiden, sondern eher: mit allem möglichen Zeugs andere Leute bewerfen, begießen oder sonst irgendwie „einsauen“. Das fängt normalerweise immer mit Wasser an, geht dann über Mehl, Eier oder Reis und gipfelt schließlich in Bier- oder Suppenduschen. Es schließt sich dann ein kollektives Aufräumen und ein Kampf um die Dusche an. Die Begeisterung ist sogar so groß, dass nur zur Karnevalszeit extra Handtaschengroße Schaumsprays verkauft werden („Karioka“ genannt) mit denen dann im passenden Moment das Gegenüber eingeschäumt werden kann. Über Sinn und Unsinn dieses Brauchs lässt sich streiten, es gibt auch Ecuadorianer, die das Ganze eher unlustig finden.

Letztes Wochenende wollte ich eigentlich eine Mountainbiketour auf den höchsten aktiven Vulkan der Erde machen (Cotopaxi), der Trip fiel für mich jedoch leider wegen Magendarm-Grippe flach. Sehr ärgerlich, zumal ich die letzten paar Monate eigentlich recht gut zu Wege war, es zeigt sich aber, dass ich doch noch nicht im Besitz des südamerikanischen „Hundemagens“ bin, der alles verträgt, was in diesem Land so serviert wird.

Das war es auch schon ziemlich an blogtauglicher Information, ich werde mich nun einem Epos der Filmgeschichte zuwenden, es warten der Pate I-III auf mich, die mir Kai netterweise zur Überbrückung meiner Schonzeit ausgeliehen hat. Ansonsten darf ich mich bis Sonntag nur flüssig ernähren, dass ist die einzige Einschränkung, schmerzen oder gar dicke Backen habe ich zum Glück nicht.

Beste Grüsse, euer Jakob

Erster Eintrag 2009

Liebe Freunde,

Es ist schon mehr als ein Monat vergangen, seitdem ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben habe. Mit Erstaunen stelle ich und auch alle anderen Zivis fest, dass mittlerweile schon Halbzeit ist. Formaler Beweis dafür ist das Midterm-Camp, welches wir nächste Woche abhalten werden (es wird sogar gemunkelt direkt bei uns in der Nähe). Jedenfalls kommen wir dann in alter Tradition alle zusammen, dürfen Wichtiges und nicht so Wichtiges vor versammelter Mannschaft erzählen und schließlich gemeinsam über unsere ersten 6 Monate in Südamerika sinnieren.

Es liegt zwar schon etwas zurück, aber Weihnachten habe ich im Kreise meiner Gastfamilie verbracht. Das war sehr schön, wir haben hauptsächlich viel gegessen (eine Menge Truthahn) und ein paar Tüten mit Süßigkeiten ausgetauscht, das Verschenken von riesigen Mengen irgendwelcher Sachen scheint hier eher die Ausnahme zu sein, grundsätzlich ist es etwas weniger kommerziell als in Deutschland oder den USA. Am meisten hat mir persönlich die Kälte gefehlt, Weihnachten bei 25 Grad ist einfach nicht dasselbe.

Silvester habe ich ebenfalls mit der Familie verbracht. Wie die restlichen 364 Tage im Jahr wurde auch wieder teilweise bis elf Uhr gearbeitet, dafür war auf den Strassen dann aber eine dicke Fiesta, so dass wir dort bis morgens gefeiert haben. Um Mitternacht gab es lecker Essen, wie sollte es auch anders sein, natürlich mit Truthahn. Danach wurden überall lebensgroße Puppen von irgendwelchen Personen verbrannt. Dieser Brauch nennt sich „año viejo“ und soll die lustigen/peinlichen Erlebnisse des vergangenen Jahres beseitigen, so dass sie im nächsten Jahr nicht wieder passieren. In meiner Gastfamilie wurden Roberto und ich verbrannt, da wir ja damals ohne Papiere in die Polizeisperre geraten sind und dafür fast verhaftet worden wären. Anschließend ging es noch in eine Bar wo wir das neue Jahr dann zünftig begossen haben. Zu der Zeit waren Paul und Kai grad an der Küste und ich hatte schon die Befürchtung, dass ich dort nicht mehr hinkommen würde, hab ich dann aber letzte Woche doch noch geschafft.

Startpunkt unseres Trips, der eigentlich auf das Wochenende beschränkt gewesen sein sollte, war mal wieder die Finca der Reinosos in Santo Domingo. Nachdem wir Freitag fast ausschließlich Auto gefahren sind und dementsprechend müde waren, gingen wir früh zu Bett um am nächsten Tag noch schnell die Impfungen für die 25 Schafe zu machen, die Roberto auf dem Weg von Quito bei einem indigenen Hirten gekauft hatte. „Das Fleisch ist momentan teuer, das könnte sich in ein paar Monaten rechnen“. Das sollte sich zunächst nicht bestätigen, da 5 Schafe kurz nach der Impfung tot umfielen, Vitamine plus Antibiotika ging dann irgendwie wohl doch nicht so gut zusammen. Nun muss man Roberto allerdings auch nachsehen, dass er ja schließlich kein Tierarzt ist, kann man ja nicht vorher ahnen, dass die Viecher so fragil sind…

Seinem Optimismus tat das allerdings keinen Abbruch und letzte Woche gab es sogar fünf junge Schäfchen. „Der Herr nimmt´s, der Herr gibt’s“ wie man so schön sagt – Business made in Ecuador.

Samstagabend kamen dann noch einige Freunde, so dass wir erst am Sonntagnachmittag zum Pazifik aufbrechen konnten. Gegen 19:00 kamen wir dann endlich in Pedernales an. Ein eher hässlicher Ort, mit den typischen Hotelbauten am Strand und dreckigem Wasser. Nachdem wir Fisch und Krabben gegessen hatten (etwas anderes gibt es an der Küste praktisch nicht) gingen wir ins Hotel zurück und guckten noch etwas Fern um am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück unsere Route fortzusetzen. Wir fuhren etwa 100km nach Norden an den Strand von Mompiche. Das ist eines der wenigen Dörfer die weder befestigte Strassen noch fließend Wasser haben, dafür aber auch keine Betonbauten sondern nur ein paar Bambushütten und Palmen. Roberto kannte mal wieder jemanden vom Hotel, so dass wir relativ günstig eine Cabaña mit Blick aufs Meer ergattern konnten. Eigentlich ist überhaupt nicht Saison für Touristen, aber es befanden sich Massen von Chilenen, Argentiniern und sonstigen Backpackern am Strand. Mit denen haben wir dann auch bis Mittwoch jeden Abend an einer Strandbar gefeiert. Am letzten Abend trafen wir dann noch fünf Rucksacktouristen aus Argentinien, Frankreich und Spanien, die uns so sympathisch waren, dass wir sie einluden uns bis zur Finca zu begleiten. Zunächst stoppten wir jedoch in Atacames zum Mittagessen. Das ist so ungefähr das ecuadorianische „Lloret de Mar“, richtig hässlich mit richtig viel Party. Da aber Nebensaison war, gab es kaum Party, für den einzigen Lacher sorgte ein etwas dicklicher, kleiner, Mitvierziger, der doch tatsächlich im neongrünen Tanga dem etwas unappetitlichen Wasser entstieg, ein Bild für die Götter.

In der Finca haben wir dann noch schön gegrillt, was die Argentinier als passionierte Fleischesser überglücklich machte und sind am nächsten Morgen dann zurück nach Quito gefahren, wo die Backpacker ihre Reise in Richtung Regenwald fortsetzten.

Von meiner Arbeit gibt es eigentlich kaum etwas zu berichten, außer dass Kai und ich weiterhin auf aussichtslosem Posten für ein bisschen Disziplin am Colegio kämpfen. Diese Woche sind allerdings Sportspiele, so dass wir uns vor allem als Schiedsrichter unbeliebt machen dürfen, denn das ist hier wie im deutschen Fußball. Wenn verloren wird ist grundsätzlich die „schwarze Sau“ schuld :D

Euer Jakob

Frohe Weihnachten

Liebe Freunde,

nun moechte ich doch kurz die Moeglichkeit nutzen euch allen eine frohes Fest zu wuenschen. Waehrend ihr vermutlich grad Geschenke auspackt, ist es hier zwoelf und ich bin soeben aufgestanden. Das liegt nicht etwa daran, dass ich nun offiziell Ferien habe, sondern an der Tatsache, dass wir bis fuenf Uhr in der Frueh Truthaehne praepariert haben. Eigentlich sollten uns dabei zwei Angestellte helfen, die sind aber leider erst heute morgen erschienen und duerfen die Flattermaenner jetzt mit Weintrauben und sonstigen Fruechten verfeinern.
Heute Abend gibt es um elf dann die typische ecuadorianische “cena navideña”. Prinzipiell ist das nichts anderes, als unsere Weihnachtsessen in Deutschland. Man trifft sich, tauscht Geschenke aus und schlaegt sich kollektiv mit allerlei
Leckereien den Magen voll, sollte also sehr lustig werden. Morgen gibt es dann den ganzen Spass nochmal, nur mit der “erweiterten” Familie, da werden es dann um die 50 Personen sein.

Ich wuensche euch allen ein gemuetliches Fest in der Kaelte (Ich habe gehoert, dass es mal wieder nicht geschneit hat) und ganz viele Geschenke. Danke fuer die vielen Mails und Karten, ich hoffe meine sind auch alle angekommen.

Feliz Navidad und ein frohes Neues,  euer Jakob

Liebe Freunde,

über einen Monat habe ich nichts mehr von mir hören lassen, dass lag im wesentlichen daran, dass es relativ wenig Spektakuläres zu berichten gibt. Mittlerweile habe ich mich in meiner neuen Familie sehr gut eingelebt und fühle mich auch sehr wohl. Ich wohne mit einer älteren Dame und ihrer Tochter zusammen in einem Haus in Lumbisi (bzw. kurz davor) im schönen Tal „Los Valles“. Im Gegensatz zu meiner ersten Behausung ist die Landschaft hier auch sehr schön (viel Grün mit Weiden) und es ist etwa drei Grad wärmer, was Laune und Bräune gleichermaßen ansteigen lässt. Von meiner Arbeitstätte wohne ich etwa 10 Minuten Busfahrt entfernt, alles in allem also eine sehr angenehme Situation.

 

Die Arbeit:

 

Nach wie vor arbeiten Kai und ich am Colegio und unterrichten im Wesentlichen Englisch und Sport. Die Zusammenarbeit mit den (fast ausschließlich) jungen Lehrern klappt hervorragend, so dass das Klima insgesamt sehr entspannt ist.

Sport unterrichten wir alleine mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen. Leider gibt es lediglich einen asphaltierten Platz mit Basketballkörben und einem Volleyballnetz, Bodenturnen fällt also flach. Auch die deutschen Klassiker wie Brennball, Völkerball oder Kettenfangen sind wegen mangelndem Platz, Gerätschaften und nicht zuletzt fehlender motorischer Fähigkeiten unserer „Mädels“ nicht realisierbar. So Spielen wir meistens Basketball oder Volleyball und zensieren dementsprechend Zielsicherheit und Unterrichtsbeteiligung. Das gängige Vorurteil, dass der gemeine Südamerikaner nicht besonders sportlich sei, bestätigt sich voll und ganz. Oft wird über plötzlich auftretende Bauch-, Kopf- oder sonstige Gliederschmerzen geklagt, um sich dem Unterricht zu entziehen. Mein persönlicher Favorit war bisher ein 14-jaehrige gut gebräunte Schülerin die auf einmal beteuerte sie habe eine Sonnenallergie. Zur Ehrenrettung sollte jedoch gesagt werden, dass die Sonne hier auf 2300 Metern zuweilen etwas stärker scheint als in Deutschland, es wird also teilweise recht warm beim Sport, ob dieser Umstand jedoch Allergien hervorruft sei mal dahingestellt…

 

Der Englischunterricht bewegt sich nicht annähernd auf dem uns bekannten Niveau, wir machen aber zumindest kleine Fortschritte. Letzte Woche hatten wir die ersten Trimester Examen, die allesamt eher bescheiden ausfielen. Für die nächsten drei Monate haben Kai und Ich nun ein inhaltliches Gesamtkonzept mit Zwischentests erarbeitet um hoffentlich etwas bessere Arbeitsergebnisse zu erzielen. Wie im Sport ist auch im Englischunterricht das Interesse der Mehrheit kaum vorhanden, so dass es oberstes Gebot ist, den Haufen zur Ruhe zu bringen um dann zu versuchen simpelste Grammatik zu vermitteln. An dieser Stelle möchte ich allen vollzeit Pädagogen meinen Respekt aussprechen, ich würde das nie ein Leben lang machen wollen, schon gar nicht für das Geld was an deutschen Problemschulen fuer gewoehnlich gezahlt wird…

Es sollte jetzt allerdings nicht der Eindruck entstehen, mir würde die Arbeit keinen Spaß machen, es ist schon eine gewisse Herausforderung und man hat auch Erfolgserlebnisse, über die man sich freut.

 

In meiner Freizeit:

 

Seit Anfang November habe ich nun auch ein Fitnessstudio gefunden, in dem ich dreimal pro Woche trainiere. Es liegt etwa eine halbe Stunde von Cumbaya entfernt im Norden Quitos, bietet dafür aber nicht nur ein paar Hanteln sondern auch Sauna, Dampfsauna, Schwimmbad und Maniküreservice, den ich allerdings noch nicht in Anspruch genommen habe. Die Ausstattung lässt sich also als „completo“ bezeichnen, die Geräte kommen allerdings nicht an die der geliebten Factory in Hannover heran (teilweise schleifen die Gewichte, was speziell bei Lat-Zügen störend auffällt). Die obligatorischen Fitnessproleten trifft man ebenfalls regelmaessig an, so dass es sich schon fast heimisch anfühlt.

 

Auf Reisen:

 

War ich eigentlich recht wenig im November. Einzige Ausnahme bildete ein Trip mit meinem Gastcousin Roberto nach Santo Domingo. Das Staedchen liegt etwa 2 Std. vor der Küste, gehört klimatisch aber schon zur Region „Costa“. Dort kamen wir abends an und verzehrten zunächst eine Art Döner, dessen Verkäufer natürlich auch mal in Deutschland gelebt hatte, was ein Zufall. Später am Abend gerieten wir in eine Polizeisperre, was mich in leichte Beunruhigung versetzte, da ich meine Papiere vergessen hatte und die martialisch bewaffneten Polizisten nicht so aussahen als würden sie sich mit meinem restlichen Hartgeld zufrieden geben. Zum Glück hatte ich ja Roberto dabei und der hat das dann irgendwie geregelt, ich weiß bis heute nicht wie.

Auf den Schock haben wir dann jedenfalls einen für die Region typischen Aguadiente getrunken.

Mit leichten Kopfschmerzen machten wir uns am nächsten Tag auf, um einige Besorgungen in der Region zu tätigen. Roberto (27) und sein Vater betreiben nämlich eine Art Ranch mit Kühen, Ziegen und sonstigem Getier, was aber eher Zeitvertreib und Nebenerwerb ist.

So fuhren wir durch eine grüne Landschaft, die durch den Anbau tropischer Früchte und sonstigem Gemüse geprägt ist. Insgesamt sind die Menschen an der Küste wesentlich ärmer als im Hochland, scheinen aber trotzdem zufriedener. Liegt vermutlich an mehr Sonne und weniger Regen.

Am nächsten Tag sind wir dann auch schon wieder zurück, für unsere nächste Tour planen wir allerdings mehr Zeit ein, so dass wir dann auch ans Meer kommen um ein Ründchen zu schwimmen.

 

Das Leben hier macht also Spaß und ich freue mich auf meine verbleibenden 7 Monate, die ich hier verbringen werde. Wie immer freue ich mich über jede Mail, die ich dann je nach Verfügbarkeit des Internets auch beantworte. Dieses Wochenende hatten wir leider mal wieder kein Internet, da irgendwo ein Blitz einen Verteiler zerlegt hat, aber das kompetente Personal der „Telecable“ arbeitet derzeit an einer Lösung, ich bin also hoffentlich bald wieder erreichbar.

 

Beste Grüsse aus der Ferne, euer Jakob

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